26.06.2022 JuNas – Im Reich der Vögel am Werbeliner See

Ort: Parkplatz Grabschützer See

Verantwortliche:
Franka Seidel (Öffentlichkeitsarbeit NSG Werbeliner See), Claudia, Sibylle

Ausgerüstet mit 2 Ziehwagen mit Spektiv und Ferngläsern sowie mit Proviant und Trinken ziehen wir los. Aber wir kommen nicht weit, denn ständig ist ein anderer Vogel zu hören. Gleich zu Anfang begrüßt uns ein Kuckucksweibchen, es hat einen trällernden Klang und darauf folgte das Männchen mit seinem bekannten Kuckuck!

Wir sehen Nilgänse fliegen, sie sind eingewanderte Vögel, die sich hier inzwischen angesiedelt haben und leider sehr dominant sind. Da sie auch aggressiv sind, können sie auch Störche aus ihren Nestern vertreiben oder gehen auch mal in einen Adlerhorst.

Der Wendehals ist unglaublich getarnt, auf einem Ast sitzend kann man ihn kaum erkennen. Er hat eine lange Zunge, die aufgerollt ist, damit schleckt er Ameisen auf. Er ernährt sich zu 90 % von Ameisen. Mit seiner Zunge kann er auch tiefer in Nester oder in den Boden reingehen.

Der Gelbspötter ist ein kleiner Vogel, der die anderen Vogelstimmen imitiert. Er macht das einfach um zu zeigen, wie gut er singen kann. Sicherlich auch um die Weibchen zu beeindrucken. Bei ihm kann man kaum erkennen, dass es eine Nachahmung ist, so gut macht er das. Und er kann fast alles nachmachen. Manche Vögel können sogar technische Geräusche oder Handytöne nachahmen!

Auch Singvögel haben ihre Reviere, die sie verteidigen. Deshalb kann man auch gut kartieren, und die Zählungen bringen was, weil man weiß, dass andere Vögel derselben Art nicht das gleiche Revier nutzen.

Glück gehabt! Wir können einen Rothalstaucher beobachten! Er taucht immer wieder ab aber der rote Hals war sichtbar! Dieser Wasservogel ist inzwischen sehr dezimiert und zurzeit gibt es am Grabschützer See nur noch 2 Paare von ehemals 20. Die Minderung durch Störung durch den Menschen (er baut seine Nester im Schilf/Uferbereich) und durch Prädatoren, also Räubern, wie der Mink (ausgewildert aus ehemaligen Pelztierfarmen) und der Waschbär oder auch Wels und Hecht ist der eine Grund. Vermutet wird, dass es weitere Ursachen geben könnte, die noch nicht ganz geklärt sind, wie z.B. Eintrag von Pestiziden.

Viele Enten und Gänse haben eine Vollmauser. Das heißt sie sind 14 Tage lang flugunfähig, sie verlieren ihre Flugfedern und halten sich dann auf dem See in Kolonien auf. Eng zusammen gerückt schützen sie sich gegenseitig und Angreifer wie Seeadler sind irritiert, er kann sich dann nicht entscheiden, welchen Vogel er greifen soll. Hier treffen sich z.B. Kolbenenten von weit her, um auf dem See zu mausern. Der Werbeliner/Grabschützer See ist neben dem Bodensee die einzige Stelle in Deutschland, wo sich die Kolbenenten einfinden, um zu mausern. Danach verteilen sie sich wieder in verschiedene Gebiete. Im NSG gibt es auch ein paar Kolbenenten, die hier brüten.

Andere Vogelarten, die teilmausern, verlieren nur langsam ihre Federn und bilden die neuen nach, so dass sie immer fliegen können.

Außerdem haben wir einen großartigen Tag erwischt, um Schmetterlinge zu beobachten. Die Wiesen und vor allem die blühenden und duftenden Linden sind voll mit Weißlingen, Tagpfauenaugen, Ochsenaugen, vielen verschiedenen Wildbienen, und –hummeln und Rosenkäfern. Natürlich auch Fliegenarten. Im Becherglas können wir die giftige Dornfingerspinne, die sich in die Gräser einwickelt und dort ein Kokon baut näher betrachten.

Greifvögel (Roter Milan) tanzen in Formation miteinander in der Luft – die Paare übergeben sich dabei Futter im Flug.

Eine Nachtigall trällert. Ebenso das Schwarzkehlchen und das Braunkehlchen welches auf Wiese, Offenland angewiesen ist, haben sich hier angesiedelt. Das Braunkehlchen ist schon sehr dezimiert!

Ganz besonders und erwähnenswert ist auch, dass im NSG alle 5 Arten der Grasmücken wohnen. Die Sperbergrasmücke, Gartengrasmücke, Mönchs-grasmücke, Dorngrasmücke und die Klappergrasmücke.

Auch die Goldammer wurde gehört. Franka zeigt uns ein Foto von dem Vogel mit dem schönen gelben Federkleid. Ihre Verwandte die Grauammer hat fast dasselbe Aussehen, ist unscheinbar grau gefärbt.

Am Schluss halten wir noch Ausschau nach einem Beutelmeisen Nest in den Pappeln, doch seit alle Bäume in vollem Laub stehen, ist es nicht mehr zu sehen. Franka hat jedoch eines mitgebracht, das sie einmal gefunden haben. Es ist kuschelig anzuschauen, wie ein gefilzter Beutel mit kleiner Öffnung am oberen Ende. Dort ist es auch aufgehängt im Baum. Die Beutelmeise bastelt es aus Gräsern und den weichen, wuscheligen Samenfäden der Pappel.

Jetzt sind wir alle erledigt, die Hitze hat uns zugesetzt, trotz trinken und Sonnenschutz sind wir müde und erschöpft. Aber alle haben die lange Wanderung durchgehalten, auch unsere jüngsten Naturfreunde und darauf sind wir echt stolz!

Es war ein sehr erlebnisreicher, informativer Vormittag. Wir sind begeistert darüber, was alles „kreucht und fleucht“ am Grabschützer See.

Abschlussrunde                                                   Claudia und Sibylle

Abschlussrunde                                                   Claudia und Sibylle

Ende  12.00 Uhr